Viel Trubel und immer was los
auf der „Bewegungsbaustelle“

Graben, pflanzen, turnen, klettern, spielen – in nahezu unberührter Natur – wo inmitten der Großstadt haben Kinder schon Gelegenheit dazu?

Auf dem Kreuzberger „Gleisdreiecksgelände“ an der Möckernstrasse konnte genau das am vergangenen Donnerstag von 45 Kindern und 30 Erwachsenen erlebt werden. Seit August leitet dort die Gemeindepädagogin Sabine Plümer ein Kinder-Spiel- und Lernprojekt der benachbarten Evangelischen Jesus Christus-Gemeinde. Immer donnerstags trafen sich interessierte Kinder zwischen 6 und 12 Jahren (auch zwei Vierjährige waren regelmäßig dabei) um aus Naturmaterialien Spielflächen zu gestalten. Die Kinder begriffen schnell, dass es hier nicht um einen mit herkömmlichen Spielgeräten ausgestatteten Spielplatz geht, sondern dass sie auf diesem verwilderten, ehemaligen Eisenbahngelände neue Erfahrungen mit allen Sinnen sammeln können, mit den Elementen Wasser, Luft und Erde, mit Pflanzen und Tieren in Berührung kommen. Die Spielstätte soll eine Sensibilisierung für die Umwelt, für Gottes Natur ermöglichen und den späteren verantwortungsvollen Umgang damit. „Die Kinder werden viel ruhiger und entspannter in der Natur“, erzählt Nathalie Saab, und dadurch wird Raum geschaffen, dass etwas Neues entstehen kann“.

Die Kinder zeigten Ideenreichtum und Phantasie bei vielen kleinen Aktionen: beim Anlegen der Beete fehlte nachher das Gießwasser. Was nun? „Dann nehmen wir es eben aus der Pfütze“ rief der 6-jährige Jasper und fing an mit einem Trinkbecher Wasser in einen Eimer zu schöpfen. Auch die ausgeführten Hunde machten Sorge und bedrohten einen großen Berg Spielsand. „Hunde bitte fernhalten“, war die gemalte Botschaft der Kinder auf mehreren Holztafeln.

Die für die Hüpfgrube und den Geschicklichkeitsparcour benötigten Baumstämme holten wir mit 18 Kindern und 7 Erwachsenen gemeinsam beim Forstamt Nikolassee ab. Welch großer Haufen von dicken Baumstämmen dort lagern – keine leichte Aufgabe sie in den Lastwagen zu hieven, dachte sich auch der Vater, der seinen LKW und seine Arbeitskraft für diesen Nachmittag zur Verfügung stellte. „Hier das Stück Holz, das möchte ich auch noch mitnehmen“, so war es von vielen Kindern zu hören, die gleich neue Ideen zur Umsetzung auf „ihrem“ Gelände hatten.

Dass das Gelände auch „ihres“ geworden ist, sie Verantwortung übernommen haben indem sie in den heißen Septembertagen auch unter der Woche zum Gießen kamen, oder dass sie anderen Kindern von dem „Spielplatz“ erzählten und diese dann mitbrachten, war spätestens beim abschließenden Fest am 20. Oktober deutlich. Stolz auf ihre Leistung, dieses Spielgelände mit eigenen Händen geschaffen zu haben, gehörte daher das Erklären, das Zeigen und Ausprobieren angesichts der vielen Besucher dazu. „Das Projekt „Bewegungsbaustelle“ ist eine erfreuliche Initiative der Jesus Christus-Gemeinde“, sagt Inga Bierkandt, die Mutter der 7-jährigen Maria, „denn sie zeigt, wie Kirche im Wohnumfeld den Menschen zugewandt ist und sich hier konkret für die Verbesserung der Lebensqualität einsetzt.“

Darüber hinaus wurde das Gelände mehrfach mit Kindern der Kita im Rahmen der Katechese besucht, und es wurden kleine Andachten gehalten, wir dankten Gott für Gräser, Bäume, Käfer und Bienen – und auf Wunsch der Kinder auch für zahlreich gesammelte „Kostbarkeiten“ (Schrauben, Blechstücke, Plastikteile, Schlüssel), die sie auf diesem abenteuerlichen Wildspielplatz voller Neugier und Erkenntnisdrang fanden. Im Staunen über die Schöpfung kommt Gott ins Gespräch und so bietet die naturnahe Spielstätte auch eine unendliche Vielfalt zur religiösen Vertiefung, Entdeckung und Erzählung.

Mit dem Lied „Der Mond ist aufgegangen“, einem funkelnd-feurigen Finale dank vieler Wunderkerzen endete das Einweihungs-Fest auf der Bewegungs-Baustelle und es wurden bereits einige neue Bau-Pläne geschmiedet. „Es würde sich sehr lohnen, dieses gerade für Stadtkinder wirklich anregende und großartige Projekt auch im nächsten Jahr fortzusetzen“, meint Nathalie Saab aus der Kreuzberger Hornstrasse, deren drei Kinder regelmäßig und mit großem Eifer mitgearbeitet haben.

Sabine Plümer